110 Jahre gelebte Qualität, Verantwortung und Wandel
im Gespräch mit Karin Schubert von der Spedition Kridtner
Seit über einem Jahrhundert steht die Spedition Kridtner für Verlässlichkeit, Handschlagqualität und echtes Miteinander. Im Interview erzählt Geschäftsführerin Karin Schubert, wie sich ihr Familienunternehmen vom „Wasserer“ zum modernen Dienstleister entwickelt hat, warum Digitalisierung Fingerspitzengefühl braucht – und weshalb es manchmal besser ist, bewusst überschaubar zu bleiben.
Frau Schubert, 110 Jahre Spedition Kridtner – wie fühlt es sich an, an der Spitze eines so traditionsreichen Unternehmens zu stehen?
Einerseits fühlt es sich für mich ganz selbstverständlich an. Ich bin da reingewachsen, es war immer ein Teil meines Lebens. Aber wenn man es laut ausspricht – fünfte Generation, 110 Jahre – dann kommt oft von anderen: „Das ist ja wirklich beeindruckend!“ Und ja, dann spürt man schon diesen Stolz. Es ist etwas Besonderes, etwas, das man über Generationen weitergibt. Wenn ich alte Fotos sehe und sagen kann: „Das war mein Opa“, dann berührt mich das. Mein Ur-Ur-Großvater war ein sogenannter „Wasserer“. Der hat in Hietzing Am Platz den Pferden der Fiaker Wasser vom Brunnen gebracht – und so hat alles begonnen.
Das klingt nach einer bewegten Geschichte. Wenn Sie heute Ihr Familienunternehmen mit einem modernen Start-up vergleichen – was sind für Sie die größten Unterschiede?
Ich glaube, ich hätte heute gar nicht den Mut, ein Start-up zu gründen! Bei Kridtner war ja ein Fundament da: gute Mitarbeiter, Schuldenfreiheit, ein bekannter Name. Als ich eingestiegen bin, war meine Mutter noch da und hat mich eingeführt. Nach einem halben Jahr habe ich krankheitsbedingt übernommen. Aber ein Start-up? Da brauchst du eine starke Idee, Kapital, einen soliden Plan. Und ich bin ehrlich: Ich bin ein Sicherheitsmensch.
Ein Sicherheitsmensch – also jemand, der lieber auf Stabilität als auf schnelles Wachstum setzt?
Ganz genau. Ich habe mich bewusst gegen zu viel Wachstum entschieden. Klar, man hätte expandieren können. Aber meine Mutter hat immer gesagt: „Wenn’s zu groß wird, verlierst du die Kontrolle.“ Und das wollte ich nie. Ich bin ein Kontrollmensch. Ich will wissen, was läuft, wo es hakt. Und dafür brauche ich Überblick. Bei großen Unternehmen brauchst du oft Ellbogentechnik – und das bin ich nicht. Mein Motto war immer: Es soll mir gut gehen, und den Leuten auch.
Was macht Ihnen denn besonders Freude in Ihrem Arbeitsalltag?
Ich liebe es, wenn Kunden zufrieden sind. Ich führe gerne Gespräche, begleite Delogierungen, bin im Austausch mit Gerichtsvollziehern. Und – auch wenn es unmodern klingt – ich bin eine richtige Papierkriegerin. Ich liebe Struktur, E-Mails, Buchhaltung, Ordnung. Wenn alles seinen Platz hat, dann geht mir das Herz auf. Aber natürlich weiß ich auch: Zu viel Papier ist nicht mehr zeitgemäß. Deshalb treiben wir die Digitalisierung voran – mit System, nicht kopflos. Es braucht einen roten Faden.
Wie gehen Ihre Mitarbeitenden mit diesen digitalen Veränderungen um? Besonders die, die schon lange dabei sind?
Die Jüngeren sind da voll dabei – alles muss digital sein. Die Älteren waren anfangs skeptischer. Zum Beispiel: Das erste Mal mit dem Finger über den Smartphone-Bildschirm zu wischen, war für manche ungewohnt. Aber alle haben sich daran gewöhnt. Ich finde es schön, dass die Jüngeren dabei helfen – beim Handyparken, bei der Arbeitszeiterfassung. Da gab’s anfangs auch mal Lacher – einer hat laut System mal 36 Stunden am Stück gearbeitet, weil er das Ausloggen vergessen hatte. Aber das gehört dazu. Wir lernen voneinander.
Haben die jungen Mitarbeiter Freude daran, ihr Wissen an die älteren Kolleg:innen weiterzugeben?
Auf jeden Fall! Das macht sie auch ein bisschen stolz. Sie merken: „Ich kann etwas beisteuern.“
Sind Ihre Mitarbeiter auch stolz, Teil dieses Traditionsunternehmens zu sein?
Die Älteren auf jeden Fall. Sie sehen ihren Beitrag als Teil eines großen Ganzen. Bei den Jüngeren ist es oft anders – da steht mehr der Gedanke „Ich arbeite, um zu leben“ im Vordergrund. Aber ich will nicht pauschalisieren. Es gibt bei den Jungen zwei Lager: die einen, die sich stark einbringen, die anderen, für die Arbeit eben nur ein Mittel zum Zweck ist.
Kann das auch mit dem Gefühl von Zugehörigkeit zusammenhängen?
Absolut. Die Langjährigen sind „drinnen“. Die Jüngeren müssen erst ankommen. Und natürlich gibt es Konflikte: Die Alten sagen, die Jungen wollen nichts lernen. Die Jungen sagen, sie werden nicht ernst genommen. Aber wenn Interesse da ist, bricht das Eis schnell. Dann wird auch zehnmal erklärt – ohne Augenrollen.
Zurück zu Ihrem Ur-Ur-Großvater, dem Wasserer. Wie kam er auf die Idee, aus Wasserbringen eine Spedition zu machen?
Sein Traum war ein eigenes Pferdefuhrwerk. Damit transportierte er alles Mögliche. 1914 hat dann mein Urgroßvater Karl offiziell ein Kleinfuhrwerksgewerbe angemeldet. Anfangs waren es Planenwagen, dann gepolsterte Möbelanhänger. 1935 kamen dann Lastwagen. Nach dem Krieg wurde sogar ein Busverkehr aufgenommen – mit einem Saurer-Chassis und einem vergrabenen Dieselmotor! Später kamen Biertransporte und Umzüge dazu. Mein Großvater hat auch mit Gerichten zusammengearbeitet – so kamen die Delogierungen und auch Räumungen dazu. Und meine Mutter hat das Unternehmen 1986 übernommen.
Umzüge waren also immer dabei?
Immer! Sogar ins Ausland. Durch meinen Onkel bei der AUA hatten wir Kontakte und führten kleinere Umzüge durch – bis nach Moskau! Die Auslandseinsätze waren damals echte Abenteuer.
Wenn Sie auf die letzten 100 Jahre blicken: Was waren aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen?
Ganz klar: der Sprung vom Pferd zur Motorisierung. Und heute: die Digitalisierung. Beides waren riesige Umbrüche – technisch, organisatorisch, menschlich. Aber wir haben sie gemeistert. Und wir meistern auch den Wandel jetzt.
Karin Schubert führt ein Unternehmen mit Seele – und mit Weitblick. Zwischen Pferdewagen und Digitalisierung liegt ein Jahrhundert – aber der Geist von Verantwortung, Miteinander und Qualität hat sich nicht verändert. Die Spedition Kridtner ist ein Stück gelebte Geschichte – und gleichzeitig am Puls der Zeit.
Credits und weiterführende Infos
Karl Kridtner GmbH
Deutschstraße 27, 1230 Wien
Tel.: +43 1 894 62 10
E-Mail: office@kridtner.at / web: www.kridtner.at
Credits: Spedition Kridtner, Alice Schnür-Wala
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