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Möbelstücke

„vintage“, „secondhand“ oder „pre-loved“ 

Möbelstücke sind „das täglich Brot“ der Umzugslogistiker: mancher Einrichtungsgegenstand ist den Kund:innen ans Herz gewachsen und immer mit dabei, wenn man von A nach B zieht. Aber da gibt es auch noch die anderen Möbelstücke – jene, die sich bereits kurz nach der Anschaffung „abgewohnt“ anfühlen. Gebrauchtwagen sind die normalste Sache der Welt und auch Second-Hand-Fashion hängt fast in jedem Kleiderschrank. Doch wie sieht es bei Möbel aus?

Eigentlich ist es keine neue Geschichte, die in Zeiten von „Recycle, Reduce, Reuse“ erzählt wird: Gebrauchten Möbel ein zweites, drittes oder viertes Leben zu geben wird seit Jahrhunderten gelebt. Und wenn nicht direkt vererbt, dann finden wertvolle und auch weniger wertvolle Stücke über Antiquitäten- und Altwarenhändler ein neues Zuhause. Klingt nicht gerade neu, aber grün und nachhaltig, oder?

Sind Antiquitäten umweltfreundlicher als neue Möbel? Und wenn ja, wie groß ist der Unterschied des CO₂-Fußabdrucks?

Dieser Frage ist eine englische Studie nachgegangen: Zwei Kommoden aus dem gleichen Preissegment, der gleichen Größe und den gleichen Funktionen wurden verglichen. Der Unterschied: eine Kommode stammt aus dem Jahr 1830, das andere Exemplar aus einem hoch angesehenen Londoner Möbelhaus. Im Lebenszyklus der verglichenen Möbel wurden folgende Elemente auf ihren Treibhauseffekt analysiert: Rohmaterialien, Produktion, Distribution, Lagerung, Restaurierung und Entsorgung. Annahme war, dass die antike Kommode bis heute zwei Mal restauriert und verkauft wurde. Bei jeder Restauration und Verkauf entstehen Emissionen durch Transporte, Bearbeitung und Lagerung. Aufsummiert ist die Menge der Treibhausgas-Emission noch immer niedriger als die Herstellung einer gleichartigen neuen Kommode. Der Grund liegt in den verwendeten Rohmaterialien und deren Beschaffung. Diese stammten seinerzeit entweder aus regionalen Wäldern oder sind per Kutsche oder Segelschiff über weite Distanzen transportiert worden.

Außerdem wurde damals nur bei Tageslicht und ohne elektrische Maschinen gearbeitet. Der umweltfreundliche Transport, sowie der geringe CO₂-Ausstoß in der Produktion machen damit die antike Kommode umweltfreundlicher als sein Konkurrent aus dem Möbelmarkt. Werfen wir nun einen Blick auf die Lebensdauer, ein wesentlicher Bestandteil der CO₂-Bilanz eines Produkts: In der Studie ist man davon ausgegangen, dass die neue Kommode zirka zehn bis fünfzehn Jahre und die alte Kommode 195 Jahre hält. Das Ergebnis kann sich damit sehen lassen: Während das neue Möbel einen CO₂-Ausstoß von 11,36 kg pro Jahr aufweist, sind es bei dem antiken Stück lediglich 0,72 kg pro Jahr. Die Auswirkungen auf die Erderwärmung sind somit ganze 16 Mal geringer als die eines vergleichbaren, neuen Möbelstücks. Die Studie wurde vom unabhängigen Unternehmen „Carbon Clear“ durchgeführt und kann kostenlos und in voller Länge abgerufen werden.

Immer mehr, immer schneller, immer billiger: der Trend zu Einweg- bzw. Wegwerfmöbel

Apropos neue Möbelstücke: Während die Modeindustrie von den Konsumenten vielfach bereits als einer der größten Verschmutzer der Welt wahrgenommen wird, wird die Möbelindustrie (noch) außen vorgelassen. Der Trend, oder besser formuliert der neue Möbelwahnsinn Fast Furniture befriedigt den unstillbaren Durst einer großen Anzahl von Konsumentinnen und Konsumenten nach ständig neuen Produkten und das möglichst günstig. Um den Preisvorstellungen entsprechen zu können, werden diese Möbel aus minderwertigen Materialien hergestellt. Die Lebenserwartung solcher Möbel: im Durchschnitt zwei bis fünf Jahre.

Der Markt der Billigmöbel: weltweit schätzungsweise 50 Milliarden Dollar. Und es wird heftig um potenzielle Käufer gerungen – neben Möbeldiscountern findet man Kleinmöbel in den Angeboten der Lebensmitteldiscountern und auch bei fast jeder Fast Fashion Webseite gibt es bereits einen Bereich für „Home-Accessoires“: mit dem 15 Euro Pulli landet auch gleich das 20 Euro Geschirrset und ein Eckschreibtisch für’s Homeoffice um 59,99 Euro im virtuellen Einkaufswagen – und immer schneller wechseln die Trends und neuen Kollektionen. Und der Möbelkonsum hinterlässt Spuren: Seit Jahren wird Raubbau an den – vorwiegende rumänischen – Wäldern betrieben und gnadenlos abgeholzt.

Am Ende fallen auch Unmengen an Sperrmüll an – allein in Europa jährlich mehr als 11 Milliarden Kilo, die zu etwa 80 bis 90 Prozent verbrannt werden oder auf Deponien landen. Viele Möbel enthalten Lacke oder Kleber und somit Schadstoffe, die ein Recycling massiv erschweren. Manch einer hinterfragt bereits das (eigene) Konsumverhalten – zumindest, wenn es um Kleidung geht. Doch wie hält es Frau und Herr Österreicher beim Mobiliar? Die Immoscout24.at-Trendstudie hat 1.000 Österreicher:innen dazu befragt.

Im Trend: Jede:r Zweite schenkt Möbeln ein zweites Leben

So wie man gut erhaltene Kleidung weitergibt oder weiterverkauft, kann man es auch mit Möbeln halten. Knapp die Hälfte der Österreicher:innen (46 Prozent) ist auf diesen Zug bereits aufgesprungen und gibt gebrauchte Möbel weiter, wenn sie nicht mehr benötigt werden. 11 Prozent planen diese Maßnahme, rund ein Drittel kann sich vorstellen, nicht mehr verwendetem Mobiliar ein zweites Leben zu schenken. Nicht vorstellen können sich das gerade einmal 7 Prozent.

Bereitschaft zum Kauf von „Second-Hand“-Möbeln in Österreich steigt

Dies zeigt die aktuelle Studie aus 2023 von IKEA Österreich deutlich: Bereits über 60 Prozent der Österreicher:innen haben bereits Möbel aus zweiter Hand gekauft. Und auch unter all jenen, die bisher noch nie zum „Second-Hand“-Möbelstück gegriffen haben, können sich mehr als die Hälfte (53 Prozent) vorstellen, künftig gebrauchte Möbel zu kaufen. Bei der Frage nach den Motiven für den Kauf von „Second-Hand“-Möbelstücken sticht ein Grund besonders hervor: die Kostenersparnis.

So begründen über zwei Drittel der Befragten (67,2 Prozent) den Kauf von Möbeln aus zweiter Hand mit dem Motiv, dass diese günstiger sind als neuwertige Möbel. Dies offenbart sich auch bei der Einschätzung der Kostenersparnis jener Österreicher:innen, die zuvor bereits gebrauchte Möbel gekauft haben. Diese Personen geben an, sich im Durchschnitt 919 Euro durch den Kauf von „Second-Hand“-Möbeln erspart zu haben. Der Median-Wert aller Angaben entspricht 500 Euro. 13 Prozent der befragten Personen geben zudem an, sich durch den Kauf von Möbeln aus zweiter Hand auch exklusivere oder teurere Marken leisten zu können.

Sehr hoch ausgeprägt ist bei den Befragten auch der Nachhaltigkeitsgedanke. Über 40 Prozent der Befragten geben an, benutzte Möbel zu kaufen, um Ressourcen zu schonen und knapp weniger als ein Viertel (24,1 Prozent) möchte durch den Kauf von „Second-Hand“-Möbel ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. Eine Erklärung für diese Motivlage hat die Semiotikerin und Bedürfnisforscherin Charlotte Hager: „Kreislaufwirtschaft hat viel mit der Lebenssituation der einzelnen Person zu tun und damit wo sie im sozialen Gefüge steht – dass dabei der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund steht, ist keine Überraschung. Gleichzeitig sehen wir nach wie vor, dass Nachhaltigkeit noch immer ein für uns neues Thema ist, das mitunter degradiert wird.“

Ein Viertel setzt auf Upcycling

Einen Schritt weiter geht ein Viertel der Befragten aus der Immoscout24.at-Trendstudie: Sie setzen auf den Trend des Upcycling und nutzen alte, aufgefrischte Möbel für die Einrichtung. 13 Prozent planen das und fast jede:r Zweite (45 Prozent) kann sich vorstellen, derartige Stücke in den eigenen vier Wänden zu verwenden. Nicht stilgerecht oder passend finden es rund ein Fünftel (18 Prozent) der Befragten.

Möbeltauschbörsen sind wenig attraktiv

Was Kleidertauschbörsen vormachen, kann auch für Möbel funktionieren – könnte man meinen. Die Umfrage von Immoscout24.at-Trendstudie zeigt allerdings, dass es hier nicht ganz so viel Potenzial gibt. Zwar werden gebrauchte Möbel oft weitergegeben, aber Möbel getauscht haben gerade einmal 16 Prozent der Österreicher:innen, weitere 9 Prozent planen es. 41 Prozent können es sich vorstellen, ein Drittel kann mit dieser Idee gar nichts anfangen.

Wird Mieten das neue Kaufen?

Viel weniger abgewinnen können die Befragten aus der Immoscout24.at-Trendstudie dem Modell der Möbelmiete. Was mittlerweile bei PKW – hier oft „Auto-Abo“ genannt – und sogar bei Kleidung und Accessoires ein Geschäftsmodell ist, scheint bei Möbeln auf große Skepsis zu stoßen. So sagen mehr als drei Viertel der Befragten (77 Prozent), es sei für sie nicht vorstellbar, Möbel zu mieten statt zu kaufen. Vorstellbar wäre es für 15 Prozent, bereits umgesetzt bzw. geplant ist diese Maßnahme gerade einmal von jeweils 4 Prozent. Für die breite Bevölkerung schein die Zeit für diese Idee noch nicht reif zu sein: 2018/19 hat IKEA ein Pilotprojekt dazu in der Schweiz gestartet – mit mäßigem Erfolg.

Besser scheint dieses Konzept bei betuchter Kundschaft anzukommen: das im Online-Premiumsegment agierende deutsche Unternehmen Connox hat vor einigen Jahren seine Kunden zu diesem Thema befragt: 98 % der Befragten haben nie zuvor privat Möbel gemietet. Die Hälfte davon hat einfach nicht an die Möglichkeit gedacht, doch fast jeder Zweite kann sich vorstellen, in Zukunft Möbel zu mieten. Haupttreiber sind der Wunsch nach regelmäßiger Neugestaltung (46 Prozent) und die Möglichkeit, Möbel ausgiebig zu testen (38 Prozent).

Und wie sieht es in den Büros aus?

Etwa 95 Prozent sämtlicher Emissionen, die auf den gesamten Produktlebenszyklus eines Möbelstücks entfallen, entstehen bei der Herstellung, nur 5 Prozent auf die Nutzungszeit. Wussten Sie, dass jährlich mehr als 100 Millionen Tonnen an Büromöbel vorzeitig entsorgt und durch Neumöbel mit hohem Ressourcen- und Energieverbrauch ersetzt werden? In der privaten Wirtschaft werden Büromöbel durchschnittlich nur 4,5 Jahre, in der öffentlichen Verwaltung wenigstens 8 Jahre genutzt. Auf Europäischer Ebene wurden bereits Akzente zu mehr Nachhaltigkeit bei Büromöbel gesetzt, so sollen eine ganze Reihe an Vorschriften speziell die Hersteller dazu zwingen, Ressourcen im Produktionsprozess zu schonen und den Lebenszyklus von Büromöbel länger zu gestalten. Und die Unternehmen? Wer in der jetzigen Zeit auf Nachhaltigkeit, sprich auf Ökologie, Ökonomie und Soziales setzt, kann damit bei seinen Stakeholdern, allen voran gegenüber seinen Kunden punkten.

Was bedeuten diese Veränderungen und Trends für das tägliche Umzugsgeschäft und bieten sie eventuell Raum für neue, nachhaltige Serviceleistungen für nicht mehr gebrauchte Möbel bei Privatumzügen…